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Barbara - Helferin in der Not

  •   Im Auftrag des Herrn

Stefan Witt, Urgestein des Tagebaus Hambach, singt ein schwelgerisches, sizilianisches Lied, ein Dankeslied der Knappschaften. Der Gründer und ehemalige Dirigent des Chors im „Ring deutscher Bergbauingenieure“ hat die heilige Barbara schon in unterschiedlichsten Strophen besungen und auch selbst für sie komponiert. Sie ist die Schutzpatronin der Bergbauleute und Stefan Witt (82) hat ihr sein halbes Leben gewidmet. Übersetzen lässt sich Barbara mit „die Fremde“, der ursprüngliche Rufname: Barbarin. Nach der Überlieferung ist sie eine der großen frühchristlichen Frauen, die für ihre Überzeugung in der Römerzeit um das Jahr 306 in Nikomedia, dem heutigen Izmir in der nordwestlichen Türkei, den Märtyrertod erlitten hat. Der Legende nach flüchtete Barbara, zum christlichen Glauben bekehrt, aus einem Turm. Der heidnische Vater verfolgte sie mit dem gezückten Schwert. Doch in einem Felsen, der sich vor ihr auftat, fand sie Schutz und Unterschlupf bei hilfsbereiten Bergleuten. Ein Hirte verriet sie indes. Sie wurde wegen ihrer Standhaftigkeit und christlichen Überzeugung gefoltert und vom eigenen Vater enthauptet.

Patronin der Sterbenden

Seit Ende des 14. Jahrhunderts wird Barbara als Bergbauheilige verehrt. Ihr Bildnis als Helferin in der Not fand fortan in Gruben und Tunneln seinen festen Platz. Viele Knappenvereine, Bergmannschöre und Schützenvereine gaben sich den Namen der heiligen Barbara. Zeitweise war sie so populär, dass Schulen, Kasernen, Apotheken oder Schiffe nach ihr benannt wurden. Ausdruck ihrer Volkstümlichkeit ist die Hauptfigur des Bärbelchens in den Puppenspielen des Kölner Hänneschen-Theaters ebenso wie das Bärbelespringen im Allgäu. Sie gilt besonders als Patronin der Sterbenden. „Vor ihrem Tod hat Barbara die Verheißung empfangen, dass niemand, der sie anruft, ohne Sakramentenempfang stirbt“, weiß der Kölner Brauchtumsexperte, Professor Manfred Becker-Huberti. „In Zeiten, in denen die Menschen von einem strengen Richtergott ausgingen, war das tägliche Gebet zur heiligen Barbara aus diesem Grund zwingend.“ Als „Andersartige“, als „Verfolgte“, als eine, die auf die Menschen fremd wirkt, sollte die heilige Barbara eigentlich in der Gegenwart aktueller sein denn je. Aber für Stefan Witt steht fest, dass die Verehrung nachlässt.

Schaufelradbagger Nr. 289

Für den 55-jährigen Achmed Acimann ist die heilige Barbara schon lange eine Vertraute. Obwohl der Türke Moslem ist, betrachtet er die Schutzpatronin der Bergleute mit großer Achtung. Acimann ist seit 42 Jahren Bergmann. Jahrzehntelang hat er im Steinkohlebergbau Unter Tage gearbeitet. „Dort hatten wir Bergleute tief unten eine eigene Kapelle mit einer Barbara-Figur. Wir haben immer einen kurzen Dank gesprochen, wenn wir ans Tageslicht zurückgekommen sind“, erinnert sich der Bergmann. Seit dem 7. Januar 2015 hängt im Mannschaftsraum eine Barbara-Figur.  Sie ist ein Geschenk der Betriebsleitung aus Anlass eines besonderen Jubiläums. Klaus-Dieter Reiners (60) und Ralf Moll (55) – ebenfalls seit Jahrzehnten im Bergbau tätig und in der gleichen Schicht wie Achmed Acimann – erinnern sich: „Damals hatte das Gerät die eine Milliardste Tonne Kohle gefördert. Deshalb haben wir die Figur geschenkt bekommen.“ Das angebrannte Teelicht in dem Glas zu Füßen der kleinen Barbara aus Metall brennt an diesem Tag nicht zum ersten Mal.

SommerZeit 2018 (c) Robert Boecker

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