Segen bringen, Segen sein: Ein Tag mit Sternsingern unterwegs

Die Sternsinger des Kölner Doms: "Es ist ein gutes Gefühl, die Leute fröhlich zu machen", schildert Nelly ihre Erfahrungen.

11. Januar 2018

Noch einmal die Krone zurechtrücken, den Samtumhang ordentlich drapieren und ein letztes Mal beim feierlichen Pontifikalamt am Abend die Prozession der vielen Geistlichen und Bischöfe in den Dom anführen. Dann ist es geschafft, und hinter Aurora liegt ein anstrengender Tag. Denn die achtjährige Schülerin der Kölner Domsingschule hat zum ersten Mal bei der Sternsingeraktion des Kölner Doms mitgemacht.

 

Der 6. Januar wird im Erzbistum Köln immer als kirchlicher Feiertag, daher haben die Schüler schulfrei. Als Sternsinger absolvieren die Kinder am Kölner Dom ein intensives Pensum:

  1. Los geht es am frühen Morgen mit dem Treffen im Dompfarrsaal. Hier wird immer jeweils ein Kind aus den Sternsinger-Gruppen, die Domdiakon Raimund Witte diesmal zusammengestellt hat, als Melchior mit dunkelbrauner Hautcreme geschminkt wird.
  2. Anschließend folgt die Aussendungsfeier um 8 Uhr am Dreikönigenschrein mit Domdechant Robert Kleine.
  3. Schließlich die vielen Besuche in den Geschäften oder Häusern der umliegenden Straßen und Gassen.
  4. Zwischendurch noch zwei besondere Höhepunkte: mittags am Ende der Festmesse mit Kardinal Woelki der Auftritt im Altarraum der Kathedrale und danach der Empfang im Rathaus bei Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

In orientalischen Kleidern Gutes tun

„Auch wenn das alles zusammen sehr viel ist und der Tag für uns erst nach zwölf Stunden endet, macht es doch großen Spaß, mit dabei zu sein. Wir haben so viel erlebt und so viele Menschen glücklich gemacht. Das ist einfach toll“, schwärmt Aurora, die erschöpft lächelt, als sie am Abend ihr orientalisches Kostüm ablegt, während Klassenkamerad Frederik den Holzstab mit dem leuchtenden Stern zurück zu den anderen stellt.

Segen der Weihnachtsbotschaft bringen

Auch Nelly, Marla und Katharina sieht man die Begeisterung an, von der sie sich haben anstecken lassen. Erstmalig hat sich ihre Klasse an der Sternsingeraktion beteiligt und so sind die Mädchen den ganzen Tag über von Haus zu Haus gezogen. Mit vorbereiteten Texten und Liedern haben sie den Menschen an den Türen den Segen der Weihnachtsbotschaft gebracht.

Erst Freudentränen und plötzlich hält ein Polizeiauto an...

„Es ist ein gutes Gefühl, die Leute fröhlich zu machen“, schildert Nelly aus der 3a ihre Erfahrungen. Alte Menschen hätten sogar Tränen in den Augen gehabt. „Manchmal haben sie uns gestreichelt, Süßigkeiten angeboten, zum Abschied Kusshände geworfen oder von früher erzählt, als sie selbst noch Kinder waren.“ Katharina hält stolz ihren kleinen Strauß in der Hand, den sie in einem Blumenladen geschenkt bekommen hat. Und Marla zeigt sich ganz angetan davon, dass sogar ein Polizeiauto eigens wegen ihnen angehalten hat und die Polizisten „viele 50 Euro-Scheine in die Sammeldose gestopft haben“.

In Friseurladen und Brauhaus

Ob Stationen in einem Friseurladen, im Altenheim, in der Eisdiele oder im Brauhaus „Früh“ – das zu absolvierende Programm ist abwechslungs- und ertragreich. Denn immer wieder passt kein einziger Schein mehr in die Sammelbüchse, die die kleinen Weisen aus dem Morgenland in Begleitung von Erwachsenen mit sich führen und zwischendurch zum Ausleeren in den Pfarrsaal bringen müssen.

 

Auch auf der Domplatte werden die Sternsinger immer wieder von Passanten angesprochen, die sich spürbar an den quirligen bunten Kindergruppen erfreuen und bereitwillig eine Spende für den guten Zweck geben.

 

Text: Beatrice Tomasetti