Kirchenkiste sichert Pfarrarchiv

Kirchenkiste sichert Pfarrarchiv

Im Archiv erwartet man Dokumente, die optisch betrachtet oft als „Flachware“ bezeichnet werden. Kaum bekannt ist, dass das Historische Archiv des Erzbistums Köln auch einige wenige dreidimensionale Schätze beherbergt. Dazu gehört die Glehner Kirchenkiste. Sie diente der bei Neuss gelegenen Pfarrei zur sicheren Verwahrung der wichtigsten Dokumente. Neben der Entwendung drohte früher besonders die Brandgefahr für Pfarrhaus und Kirche. Deshalb war eine Archivkiste durchaus keine „Mottenkiste“, sondern von staatlichen und kirchlichen Obrigkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts wurden Anordnungen erlassen, um zu diesem Zweck der Sicherung der pfarrlichen Finanz- und Rechtsdokumente ein „zweckmäßiges und ästhetisch ansprechendes Werk“ anfertigen zu lassen.

 

In der Pfarrei Glehn (heute SB Neuss West/Korschenbroich), die im Hochmittelalter erstmals urkundlich erwähnt wurde und deren Pfarrer uns schon ab 1200 bekannt sind, hatte man im 18. Jahrhundert sogar zweimal eine Archivkiste anfertigen lassen. Die ältere und schönere „Kirch-Kist“ der Pfarrei St. Pankratius aus dem Jahre 1702 dokumentiert heute im Historischen Archiv des Erzbistums Köln beispielhaft die frühe Wertschätzung und praktische Sicherung des pfarrlichen Schriftgutes als „Gedächtnis der Geschichte“ in dieser Gemeinde.

 

Die 50 cm hohe und 88 cm breite hölzerne Archivkiste des „Kirspels Gelehn“ hatte neben dem heute noch funktionsfähigen Mittelschloss zwei weitere Schließen für einsetzbare Schlösser. Dahinter stand der auch von der Obrigkeit vorgeschriebene Sicherungsgedanke, dass drei Schlüssel vorhanden sein sollten, welche auf Pfarrer, Kirch- oder Schatzmeister verteilt sein konnten. Die beiden Tragegriffe an den Seiten machen die Archivkiste, etwa im Gefahrenfall oder Umzugsfall, gut transportabel. Mit stabilen Füßen und schlichter Schnitzornamentik gibt die Glehner Kirchenkiste auch nach über 300 Jahren noch den Eindruck von einen überschaubaren und zugleich sicheren Pfarrarchiv, von dem im 21. Jahrhundert viele Seelsorgebereiche im Erzbistum Köln wohl nur träumen können.

 

Reimund Haas